• Michael Köllner

"Wenn ich spiele, spannt sich unbewusst mein Fuß an und die Ferse hebt sich."

Im Unterricht begegne ich immer wieder einem Phänomen: wenn meine Schüler*innen spielen, dann hebt sich, mehr oder weniger, die Ferse eines Fußes ab. Oder auch beide, meist auch begleitet durch das Stocken des Atems.


Vorspielen, selbst wenn es nur in der Stunde ist und wir zu zweit sind, bedeutet immer eine erhöhte Aufmerksamkeit und damit Anspannung der Muskulatur. Ich empfinde und beschreibe das als eine kleine Schockstarre, ein aus-Angst-versteinern, wie eine Schildkröte, die sich in ihren Panzer vergräbt.


Unser Körper ist ein Meister darin, Dinge auszugleichen. Ganz unbewusst sucht er nach Lösungen und Umwegen, um Stress zu kanalysieren. Nach wie vor reagieren wir bei Stress mit den Möglichkeiten der Flucht, des Angriffs oder Totstellens. Und deshalb erhöht sich in einer ungewohnten 'gefährlichen' Situation (und das ist die Klavierstunde im allgemeinen) die Muskelspannung. Und daran können wir arbeiten.


Generell gilt es, die Aufmerksamkeit für den Körper zu schulen, gerade beim Trainieren. Denn Anspannung sagt Dir: da ist Angst, da ist Stress. Wo entstehen unbewusst (Ver-)Spannungen? Was führt dazu, dass ich nicht mehr locker lasse? Ein festgehaltener Atem? Eigene (zu hohe) Ansprüche? Eine falsche Trainingsmethode? Einfach auch: Überforderung?


"Immer im Kopf haben: wir handeln bei Stress unbewusst nach wie vor nach dem Schema Flucht, Angriff oder Totstellen."

Der erste Schritt ist, sich dieser Anspannungen bewusst zu werden. Dies gelingt zuerst meist nur durch das Aufmerksam machen von Außen. Das ist also mein Job als Klavierpädagoge. Meine Schüler*innen merken dann: aha, da habe ich irgendwo etwas angespannt, die Ferse steht in der Luft. "Das habe ich gar nicht bemerkt", ist eigentlich immer die Antwort. Völlig normal und legitim, wieso sollte auch das Gehirn dafür Sorge tragen, diesen Aspekt ins Bewusstsein zu bringen?

Das aktive Bewusstmachen ist der erste Schritt zur Veränderung. Man spürt es (noch) nicht, aber man weiß um den Umstand und kann immer wieder mental hineinspüren, wie es gerade um das betreffende Körperteil steht.


Im Klavierunterricht mache ich nun Folgendes, um die Sensitivität zu fördern. Bleiben wir beim Berispiel mit der Ferse: Hebt sie sich unbewusst beim Spielen an, versuche ich, dem Gehirn diese Anspannung wieder aktiv bewusst zugänglich zu machen. Der Schüler bzw. die Schülerin soll das ganze Stück nochmals spielen und dabei den Fuß konstant und fest in den Boden drücken. Meist entstehen dabei zusätzliche Fehler beim Spielen, weil der Fokus nun wo anders liegt.


Meine Schüler*innen registrieren auf diese Art und Weise zum ersten Male überhaupt das Gefühl der Anspannung, auch wenn dieses künstlich übersteigert wurde. Nur so ist es möglich, dass das Gehirn bewusst und ganz aktuell die Spannung überhaupt wieder als erhöhten Muskeltonus wahrnimmt.

Danach kommt dann ein Durchgang, wo die Spannung im Fuß losgelassen wird. Auch hier ist es nun dem Gehirn wieder leichter möglich, Entspannung aktiv herzustellen. Die Aufmerksamkeit bleibt im Fuß und wie sich die Entspannung im Gegensatz zur Spannung anfühlt. Dierses Training führt jedesmal zum gewünschten Erfolg, die Muskalspannung wird reduziert, der Fuß bleibt von selber auf dem Boden.


Es sind Wahrnehmungsübungen, die uns hier helfen, mit Stress umzugehen. Trainiert man dies eine Weile, so wird sich die Muskelspannung in Stresssituationen normalisieren.








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